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Wirtshaus & Gästehaus

"Zum Salztrippler"
Ortsstrasse 13
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Wanderung Rumbach - Berlin

 
Am 6.Sept 2012 habe ich mir einen schon lange gehegten Wunsch erfüllt, und die lange geplante Wanderung von Rumbach in die Bundeshauptstadt Berlin begonnen.

    

Die Strecke ist ca. 750 km lang und soll in 20 Tagen

gelaufen werden, also knappe 40 km am Tag. Das Gepäck

inkl. Schlafsack für den Notfall wird mitgeführt.

Zur Belohnung gibt’s bei der Ankunft einen Besuch im

Potsdamer Theater, wo momentan das Musical „Hinterm

Horizont“ von Udo Lindenberg aufgeführt wird.

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           Auszüge aus meinem Tagebuch

Tag 1 (Di 6.Sept 11)

Endlich ist es soweit, der Tag ist gekommen wo es los geht! Zu Fuß nach Berlin!

Wie bekloppt muß man eigentlich sein!? Aber diese Frage sollte ich mir in den

nächsten Tagen noch öfter stellen.

Kurz vor 8 Uhr steh ich mit meinem 15 kg Rucksack vorm Salztrippler und

überleg kurz ob ich alles habe, als Klaus Lazar vom Dahner Felsenland aktuell

vorfährt und ein Abschiedsbild schießt. Wir wechseln noch ein paar Worte dann

lauf ich los.

Ich lauf zum ersten Mal mit einem speziellen GPS-Gerät das die Wanderkarten

ersetzen soll. Ich hab mal ausgerechnet das ich für die Strecke 38 Wanderkarten

bräuchte, da wär der Rucksack schon halb voll mit Karten. So hab ich zu meiner

Beruhigung nur 4 Karten mit einem größeren Maßstab dabei, für alle Fälle :-)

Der Weg geht über Bundenthal, Erlenbach, Vorderweidenthal, Silz  nach

Klingenmünster dort mach ich an der Klingbachhalle die erste Rast. Nach einer

halben Stunde gehts weiter über Heuchelheim, Klingen, Mörzheim und

Wollmersheim nach Landau. Das Wetter ist genial, zwar etwas windig aber

schön warm. Meine Fußsohlen brennen etwas und die Knie melden sich aber

sonst fühl ich mich gut. Im Hotel "Französisches Tor" in Landau hab ich meine

erste Übernachtung.(44,- € inkl. F) Heute bin ich knapp 40 km gelaufen.

 

Tag 2 (Mittwoch 7.Sept.11)

Pünktlich um 7 Uhr meldet sich mein Handy! Ich frühstücke ausgiebig dann

gehts los.

Ich geh aus dem Hotel und....Super! Es regnet!

Ich lauf Richtung Dammheim und der Regen nimmt zu. Ich wechsel zwischen

den Weinreben meine normale Klamotten in Regenbekleidung den es regnet sich ein. Gegen 11 Uhr kommt kurz die Sonne durch, es ist aber unangenehm zu laufen, Die Schuhe sind nass und langsam dringt das Wasser ein und die Socken

werden feucht.

Es geht Richtung Hassloch direkt am Holiday Park vorbei, in Iggelheim hört

der Regen endlich auf und ich zieh mich nochmal um, vor allem trockene Socken

sind wichtig, denn wenn die Füße weich sind gibts schneller Blasen und das wär

" tödlich".

Um kurz nach 16 Uhr hab ich mein Tagesziel erreicht und checke im Hotel

"Zur Kanne" in Schifferstadt ein.Nach dem duschen gehts runter in den Bier-

garten. Das Wetter ist jetzt gut und bei einem Grillteller und 2 Weizen sind die

Strapazen des Tages schnell vergessen.

Das Zimmer ist sehr groß und so kann ich meine nassen Klamotten überall zum

trocknen aufhängen. Nach einer halben Stunde fernsehen fallen mir die Augen zu. Das Zimmer kostet inkl. Frühstück  55,-€

 
Tag 3 (Donnerstag 8.Sept.11)

Es sollte ein Tag werden der am besten in der Schublade "Scheißtag" ver-

schwinden sollte. Es ging schon gleich morgens los, mein Navi spielte verrückt,

erst links laufen dann wieder umkehren und rechts laufen dann wieder zurück....

am liebsten hätte ich es in den Gully geworfen und mir eine Karte gekauft. Also

ausschalten und neu starten Route eingeben und warten bis es neu gerechnet hat.

Endlich scheinte es zu funktionieren, aber es war ein halbe Stunde verloren und

der Puls bei 100!

Es war schon 9 Uhr als ich aus Schifferstadt heraus war und Richtung Lim-

burgerhof laufen konnte.

Es geht durch Neuhofen und Rheingönheim nach Ludwigshafen. In Mannheim

mach ich eine kurze Rast und wandere weiter nach Feudenheim.

An der Autobahn das nächste Problem, es führte nur die B9 an der Stelle über die Autobahn und zum Laufen gab es keinen Weg, auf der Straße wegen des

abartigen Verkehrs kein laufen möglich, das wär lebensgefährlich gewesen.

Als lief ich an der Strecke entlang bis ich zu einer Unterführung kam, die war

zwar nur für Dienstpersonal, aber das war mir in dem Moment wurscht, ich

machte das ich durch die Röhre auf die andere Seite kam und schlug dann die

Richtung nach Wallstadt ein.

Es ging auf der Landstraße weiter, immer im Straßengraben wegen des starken

Verkehrs, meine Nerven lagen blank. Zu allem Elend fing es auch noch an zu

regnen und meine Schulter schmerzte höllisch vom Rucksack. Am liebsten wär

ich schon in Heddesheim geblieben aber es wr einfach noch zu früh und ich hatte

noch nicht mein Tagespensum gelaufen.

Also weiter...in Viernheim war aber dann doch Schluß, es war schon 18 Uhr und

es regnete noch immer, mir taten alle Gelenke weh und ich war richtig mies

drauf. Zum Glück fand ich auf Anhieb ein Hotel und checkte im Hotel "Tenne"

ein. Ein liebevoll gestaltetes Hotel mit witzigen Ideen an der Fassade und im

Inneren. Hier war ein Künstler am Werk.

Die Zimmer waren zweckmäßig und groß genug um meinen kompletten Rucks-

ackinhalt zum Trocknen aufzuhängen. Es sah im Zimmer dann zwar aus wie bei

Hempels aber am nächsten Tag sind die Sachen dann wenigstens wieder trocken.

Das einzige Problem ist, das es im Zimmer riecht wie in einer Bärenhöhle.

Beim Abendessen, es gibt Schweinebraten mit Sauerkraut und Kartoffeln, laß ich

mir ein Weizen schmecken, auch um wieder runterzukommen vom nervigen Tag.

Beim aufstehen vom Tisch nach dem Essen spür ich jeden Muskel im Körper, das war der bisher härteste Tag.(aber es sollten noch wesentlich schlimmere kommen, nur wußte ich das zu diesem Zeitpunkt noch nicht).

Um 20 Uhr fiel ich wie tod ins Bett und schlief durch bis zum Wecken um 7 Uhr.

 

Tag 4 (Freitag 9.Sept.11)

Ich fühl mich gut heute, der Tag gestern ist abgehakt!

Das Frühstück hier in der "Tenne" ist wie im 4 Sterne Hotel, und der Service

sehr angenehm. Man merkt hier wird mit Liebe und Herzblut gearbeitet. Als ich

mich verabschiede, wollen mir die Wirtsleute noch eine Flasche Wein mitgeben,

ich tausche sie gegen eine Flasche Wasser und starte pünklich um 8 Uhr.

Das Wetter ist nicht so toll, es nieselt und ist windig. Wieder diese Scheißauto-

bahnen! Die Überquerungen kosten elend viel Zeit. Ich muß über Wiesen und

Äcker laufen um nicht zu viele Kilometer Umweg machen zu müssen.

Bei jeder Rast wechsele ich das T-Shirt, unter den Regenkleidern ist man zwar

gegen den nRegen geschützt, aber man schwitzt mehr, es ist ja nicht kalt, und

eine Erkältung würde wahrscheinlich das Aus bedeuten für die Tour.

Zwischen Heppenheim und Bensheim laufe ich auf dem Radweg direkt an der

Autobahn ähnlichen Straße entlang. Die Autos fahren Stoßstange an Stoßstange

im Schrtttempo bzw. stehen im Stau.

Jeder im Auto glotzt mich an und denkt wahrscheinlich: "Was ist den das für ein

Penner, läuft bei dem Pisswetter mit einer Tonne auf dem Rücken durch die

Walachei"?!

Meine Schritte werden immer kürzer und die Laune geht Richtung Null. Um

halb 4 Uhr hab ich keine Lust mehr um weiterzulaufen.

Ich bin hier in Bensheim und such mir mit dem Navi eine Unterkunft. Beim 4.

Anruf hab ich die "Poststuben" dran, 55,-€ inkl.F heißt es. Ich sag zu und lauf

Richtung Hotel. Es ist, auf dem im Umkreis von 20 km einzigen Hügel und

macht einen sehr exclusiven Eindruck.

Ich checke ein und hau mich erst mal ne Stunde hin.

Dann entschließe ich mich, da es ja noch relativ früh ist, meine verschwitzen

Klamotten von Hand im Waschbecken zu waschen. Ich nehm dazu ein paar

Spritzer Duschgel und häng dann alles kreuz und quer im Zimmer auf.

Beim Rucksack ausleeren fällt mir der Zimmerschlüssel mit schwerem Messing-

schild vom  Hotel "Tenne" vor die Füße. SUPER, dafür das sie mir eine Flasche

Wasser geschenkt haben und so nett waren, hab ich ihnen jetzt den Zimmers-

chlüssel geklaut, wie peinlich.

Ich entschließe mich beim nächsten Postamt ein Päckchen zu machen und den

Schlüssel zurückzuschicken.

Im Restaurant der Poststuben bin ich der einzige Gast. Dafür das Freitag Abend ist, denke ich, könnte auch mehr los sein. Na egal, ich bestell mir den Poststubenteller, Schweinelende auf Bohnengemüse und Bratkartoffeln. Das Essen war echt superlecker und der Riesling schön trocken und süffig. Nachdem ich in meinem Reisetagebuch den heutigen Tag Revue passieren ließ ging ich aufs Zimmer.

 

Tag 5 (Samstag 10.Sept.11)

Super geschlafen! Die Matratze war vorzüglich.

Meine Schienbeinmuskeln sind heute Morgen wie taub. Ich will gar nicht so

richtig raus aus dem warmen Bett, aber es hilft ja nichts, die Reise muß weiter-

gehen. NANU! Seh ich recht? Tatsächlich, die Sonne scheint!

Ich pack meine Sachen, die noch feuchten frischen Klamotten kommen in eine

Plastiktüte, die werden heute Abend im nächsten Hotel wieder aufgehängt.

Das Frühstück ist sensationell! Riesenbüffet, super appetitlich angerichtet. Alles

sehr nobel, allein der Tischschmuck ist sehenswert(hohe Glasvase mit einer

Muschel aus der Grünzeug zu wachsen scheint und 3 bunte Glasmurmeln darum) .

Zig Sorten Brötchen und Brot, Unmengen Wurst und Käse. Einzig das Rührei,

das ich mir bestellt habe, war mir zu ölig. Um 8 Uhr 15 laufe ich los, es ist schon

spät heute, hab zuviel Zeit beim Frühstück verloren.

Es geht Richtung Aschaffenburg. Bis dahin sind es noch 60 km, ich will

mindestens die Hälfte heute schaffen.

Es macht Spaß heute zu laufen, das Wetter ist super und mir gehts gut. Die

Leute in den Vorgärten grüßen freundlich und manche

winken mir zu oder sagen Hallo.

Am Golfplatz Dippelhof lauf ich einen nur von Pferden benutzen Weg und merke

den schlechten Untergrund gleich in den Knöcheln. Am liebsten ist es mir wenn

ich auf asphaltierten Wegen laufe, da kann man die Stöcke am besten einsetzen.

Ich mach die Gummipats an den Stöcken immer ab und benutze die Hartmetall-

spitzen. Die greifen am besten, auch im Asphalt, und man rutscht nicht so leicht

weg.

Gemeinhin wird ja angenommen das man auf weichem Boden besser läuft als auf

hartem, ich hab da aber andere Erfahrungen gemacht. Schon damals auf meiner

Münchentour stellte ich fest, das die Bänder und Sehnen der Fußgelenke, aber

auch von Knie und Hüften anscheinend nicht so stark belastet werden wie im

schwierigen Gelände. Ausserdem schluckt ein weicher Boden sehr viel Lauf-

energie und über den Tag summiert sich das. Aber das ist zuviel Wanderer-

latein, lassen wir das :-)

Ich durchwandere die Orte Jugenheim - Seeheim - Eberstadt -

Niederramstadt - Oberramstadt - Roßdorf - Großzimmern - Dieburg.

Das laufen heute war echt schön und wenn es so weitergeht kann man nicht

meckern.

Dieburg ist auch meine nächstes Tagesziel. Im Hotel "Mainzer Hof" nehme ich

mir ein Zimmer. 58,- € mit Frühstück.

 
Tag 6 (Sonntag  11.Sept.11)

Womit mal wieder bewiesen wäre, teuer ist nicht gleich gut!

Der Service im Mainer Hof, unterste Schublade! So was unfreundliches und

gleichgültiges wie das Personal in dem Hotel, hab ich bis jetzt noch nicht erleben

müssen. Erst jagt mich die Frühstückskraft um halb acht wieder aus dem Früh-

stückssaal weil es erst ab "8 Uhr" Frühstück gibt. Als ich zahlen will ist kein

Mensch zu finden der sich auskennt, erst nach einigem umherirren im Hotel um

jemanden zu finden der mein Geld will setzt sich eine Dame schlechtgelaunt an

den PC und druckt mir umständlich eine Rechnung aus. Kein Danke oder Auf

Wiedersehen als ich das Haus verlasse, einfach erbärmlich.

Fazit: Das bisher teuerste und zugleich unfreundlichste Hotel!

Ich starte also heute eine 3/4 Stunde verspätet und verlasse Dieburg Richtung

Babenhausen. Die Wege sind Brettleben und die Gegend von profesioneller

Landwirtschaft geprägt. Es sind heute (es ist ja Sonntag) viele Leute auf den

Radwegen unterwegs.

Die Leute hier sind äußerst freundlich, sie grüßen und nicken mir zu. Mir fällt

auf das es kaum Wanderer oder Fußgänger gibt hier, alle fahren mit dem Rad.

Gegen Mittag spür ich in meinem linken Knöchel Schmerzen, nach und nach

breiten sie sich aus Richtung Schienbein und Fußrücken. Gegen 14 Uhr muß ich

anhalten weil mein Fuß plötzlich irgendwie blockiert. Ich zieh meinen Schuh und die Socken aus und bekomm fast einen Schock, das ganze Fußgelenk ist dick

angeschwollen, so das man den Knöchel nicht mehr sieht und die Schmerzen sind höllisch. Ich kann meine Zehen nicht mehr hochziehen.

Aus meiner Bordapotheke hol ich Schmerztabletten (Dolormin extra) und werf

gleich mal 2 Tabletten ein, auf den Fuß trag ich kühlendes Gel auf und leg mich

erst mal auf eine Bank.

Nach einer halben Stunde merke ich wie die Schmerzen betäubt sind und zieh

Socken und Schuhe wieder an und mach mich auf den Weg Richtung Aschaffen-

burg.

Alle halbe Stunde muß ich kurz pausieren und den Fuß hochlegen und die

Muskeln ausschütteln, ich könnte kotzen, sollte es das gewesen sein? Ich hab mittlerweile acht von den Dolormin geschluckt und hab Schweißausbrüche und mir ist davon schlecht.

Am Ortseingang von Aschaffenburg setz ich mich hin und such mit Hilfe des 

Navis nach einem Hotel. Nach drei vergeblichen Anrufen klappt es und ich sag

dem Hotel "Mainperle" zu.

Zum Hotel sind es 2 km, ich brauch dafür eine gute Stunde. Direkt neben dem

Hotel ist eine Apotheke die ich gleich mal besuche. Der Apotheker ist sehr hilfs-

bereit und empfielt mir ein Spray und eine Salbe sowie Schmerztabletten. "Der

Fuß braucht unbedingt Ruhe" sagt er, das  dauert bestimmt einige Tage bis die

Schwellung weggeht und er empfielt mir gleich zum Arzt zu gehen.

Ich geh jetzt erst mal auf mein Zimmer und leg mich so wie ich bin aufs Bett und schlaf sofort ein. Um 20 Uhr werde ich wieder wach weil mein Magen knurrt, mir fällt ein das ich heute kaum was gegessen habe.

Also duschen, anziehen und runter ins nächste Restaurant. Im Wirtshaus

"Wursthendel" bestell ich Schweinebraten mit Knödel und Kraut. Es schmeckt

lecker und weil ich immer noch nicht satt bin schieb ich noch 2 Stücke Käse-

kuchen hinterher :-)

Dann gehts wieder zurück ins Hotel, Fuß einsalben, ins Bett und schlafen.

 
Tag 7 (Montag 12. Sept 2011)

Um 7 Uhr klingelt mein Wecker, das erste was ich mache ist, Bettdecke zurück

und schauen wie mein Fuß aussieht, SCHEIßE! Noch genauso dick wie gestern!

Die Schmerzen sind geringer, aber wenn ich versuche die Fußspitze anzuheben

sind sie wieder voll da. Ich schmier den Fuß dick ein und zwänge mich in die

Schuhe. Nach dem Frühstück geht es aus Aschaffenburg raus in Richtung Bad

Orb. Das Gelände ist höllisch! Höhenmeter ohne Ende.

Bei Sailauf muß ich über den 502 m hohen Steigkoppe. Das Bergauflaufen ist für

meinen Fuß entlastend, die Schmerzen sind weniger, auch weil ich alle 2 Stunden eine Tablette nehme. Aber wehe es geht eben oder sogar bergab! Dann könnte ich schreien vor Schmerzen.

Kurz vor Jakobsthal geht nichts mehr, das Gelenk blockiert und ich laß mich

einfach an eine Böschung fallen um zu warten bis sich alles wieder beruhigt. Es

ist 16 Uhr und ich hab gerade mal 25 km geschafft, an eine normale Tages-

leistung ist gar nicht mehr zu denken, mir stinkts gewaltig.

Als ich aufstehe und den Fuß belaste hab ich das Gefühl mir sticht einer mit dem

Messer rein. Vor Zorn nehm ich den Rucksack und schmeiß ihn mit einem Schrei an den nächsten Baum, dann setz ich mich notgedrungen wieder hin, ich bin total im Arsch.....

Es ist schon 18 Uhr durch bis ich wieder einigermaßen startklar bin, ich denke

zum Ersten mal daran die ganze Scheiße hinzuschmeißen, es zwingt mich ja

keiner weiterzulaufen, oder???

"DOCH Du Penner, ICH" !!! sag ich zu mir selbst, dann schnapp ich mir meinen

Rucksack und die Stöcke und nehm die 3 km bergab nach Jakobsthal in Angriff.

An jeder Bank oder Mauer halt ich an und stütz mich kurz auf, dann gehts weiter bis ich an der einzigen Gaststätte mit Gästezimmern in Jakobsthal ankomme.

"Da haben sie aber Glück das ich heute da bin, normal ist Ruhetag, aber wir be-

kommen einen Bus" so begrüßt mich die Wirtin an der Tür. Die Dame ist be-

stimmt schon an die 80 Jahre alt.

Ich leg mich auf meinem Zimmer erst mal ne Stunde hin, bevor ich in  der Lage

bin zu duschen und zum Essen runterzugehen. Es gibt Schnitzel mit Pfifferlingen und Pommes und ein kühles Weizen :-)

Das Zimmer kostet hier nur 28,-€ und hat sogar einen schönen Balkon.

 
.Tag 8 (Dienstag 13. Sept 11)

Erst die gute Nachricht: ES SIND NUR NOCH 452 km BIS BERLIN!!! :-)

Das heißt ich bin jetzt genau 279,7 km gelaufen!

Aber der Reihe nach.

Um 6.30 Uhr werde ich wach und check erst mal meinen Huf....Mist alles unver-

ändert dick! Auftreten tut sauweh, aber nach einigem hin und herlaufen im

Zimmer geht es einigermaßen.

Also frühstücken, bezahlen, verabschieden und weg. Die Wirtin gibt mir noch

den Tipp, auf dem "Eselsweg" nach Bad Orb zu laufen. Auf diesem Weg wurde

früher das Salz mit Eseln transportiert. Super, denke ich, ein Salztrippler auf

dem Eselsweg, das passt ja.

Ich bedanke mich und mach mich auf den ersten Aufstieg Richtung "Engländer"

(eine Wanderhütte).Mittlerweile hab ich mich an den dumpfen Schmerz im Fuß

gewöhnt nur wenn es abwärts geht ist es brutal. Ich versuche dann zwar ein Teil der Belastung auf die Stöcke zu bringen um den Druck auf den Fuß zu verringern aber das hilft nur wenig.

Der Eselsweg erweist sich nach mehreren Kilometern als ungeeignet für mich.

Die Wege sind umständlich und schlecht und weichen zu weit von meiner Ideal-

linie ab.

Also laufe ich nach GPS weiter. Durch einige schlaue Abkürzungen durch private Höfe und klettern über Weidezäune kann ich heute noch etliche km einsparen.

Im Klartext heißt das, das Navi führt mich ja nur über öffentliche Wege, private

Wege sind tabu. Wenn ich jetzt ab und zu Abkürzungen über Privatgrundstücke nehme, reduziert das die vorher errechnete Kilometerzahl. Beispiel: Jakobsthal bis Bad Orb errechnete 39 km, durch Abkürzungen eingespart 5 km, also bis ans Ziel Bad Orb nur 34 km laufen  müssen.

Die letzten 3 km bis Bad Orb waren höllisch. Schmerzen und Frust ohne Ende.

Wobei die Landschaft wirklich wunderbar ist. Es ist schade das ich es nicht so

geniesen kann wie ich gerne möchte.

In Bad Orb angekommen fängt es an zu regnen. Ich nehme in einem Cafe Platz

und streck erst mal die Beine aus. Nach einem Kaffee und einem Stück meiner

Lieblingstorte (Himbeertorte) sieht die Welt wieder besser aus.

Allerdings erweist es sich als äußerst schwierig hier ein Hotel zu finden. Es muß

ne halbe Stunde rumtelefonieren, bis ich endlich was gefunden habe. Hotel "Villa

am Park" bietet mir ein Zimmer für 65,-€ mit Frühstück an. Ziemlich happig aber was will ich machen wenn es sonst nichts gibt.

Die 300 m bis zum Hotel kommen mir wie eine Ewigkeit vor. Am Hotel ange-

kommen öffnet mir eine Inderin und zeigt mir, sich dauernd verbeugend, das

Zimmer. Sehr nobel, mit Badewanne und Balkon und bestimmt 35 qm groß. Die

Lady ist noch nicht richtig aus dem Zimmer laß ich das Badewasser laufen.

Nach einer Stunde entspannen in der Wanne, Haxe eincremen und anziehen gehe ich zur Rezeption und frag nach einem Restaurant. Die Inderin empfiehlt mir einen Griechen direkt neben dem Hotel.

Ich danke und mach mich auf den Weg. Der Tipp ist goldrichtig.

Ich bestell einen Akropolisteller (den gibts scheinbar bei jedem Griechen) und

einen halben Liter Noussa. Während ich mein Reisetagebuch schreibe hör ich am Nebentisch ungewollt ein Gespräch mit. Ich schau hin und seh wie sich so ein gegelter Typ mit drei aufgetakelten Tussen unterhält. Was heißt unterhält? Er redet aufgeregt auf sie ein, von wegen mehr Kohle beischaffen und so, ich schätze das es ein Zuhälter mit seinen "Mitarbeitern" beim Brainstorming ist :-) Ich komm mir vor wie in einem schlechten Film.....

Das Essen ist einfach wunderbar, ich bestell mir noch so eine Kanne Rotwein

und geh dann nach dem obligatorischen Ouzo Richtung Hotel.

Herrlich, ich hab seit 3 Tagen keine Schmerzen, kein Wunder, mit 3 Atü merkt

man eben nicht mehr viel :-)

 
Tag 9 (Mittwoch 14. Sept 11)

Schon erstaunlich für was manche Leute ihr Geld ausgeben.

In dem Hotel in dem ich die letzte Nacht verbracht habe, sitzen 4 Personen im

Frühstücksraum. Ein älteres Paar und zwei einzelne Damen, jeder an einem

Tisch und haben jeweils eine Schale Obst und eine Kanne Tee vor sich.

DAS soll ein Frühstück sein denke ich als ich die Tür reinkomme und die Lage

überblicke. Aber meine Angst ist unbegründet wie sich gleich herausstellt. Der

Kellner bringt mir Kaffee, Brötchen, Wurst und Käse und erklärt mir das ich

mich in einem Alovedahaus befinde. Da wird sich speziell ernährt und bestimmte Trainingsprogramme absolviert. Die Betreiber des Hauses kommen aus Sri Lanka und haben dem entsprechend das Hotel dekoriert und die Musik die imHintergrund  läuft ausgesucht.

Ich verlasse gegen 8 Uhr das Hotel und steuere erst mal wieder eine Apotheke an.

Die freundliche Dame ist sehr kompetent und empfielt mir ein Salbe, die auch

ihrem Mann, der auch viel wandert, geholfen hat. Im Rausgehen ruf ich ihr noch

zu: "Wehe wenn sie nicht hilft, dann komm ich zurück und beschwer mich"!

Heute läuft es echt supi, bis Mittag hab ich schon etliche km gemacht. Das

Wetter ist spitzenmäßig und die Wanderwege sind sehr gut zu laufen und gut

beschildert.

 

Mein Problemfuß meldet sich am frühen Nachmittag mit stechenden Schmerzen

zurück. Ich leg mich am Wegesrand unter einen Apfelbaum und schließ für ne

halbe Stunde die Augen. Okay, es geht wieder! Weiter gehts!

Ich schnapp mir noch 2 Äpfel vom Baum und lauf Richtung Schlüchtern weiter.

Im Hotel "Elisa" bekomme ich für 42,-€ ein richtig schönes Zimmer. Die Besitzer, so erfahre ich von der Empfangsdame sind beide krank, und sie ist die Schwester und schmeißt den Laden solange bis sie wieder gesund sind. Wo ich herkomme will sie wissen und wo es hingehen soll. Nachdem ich es ihr gesagt habe erklärt sie mir das sie Bekannte in Weißenburg hat und beim nächsten Besuch bei mir auf einen Flammkuchen vorbeikommt.

Das blöde an dem Hotel ist, das es kein Restaurant hat und ich zum Essen ca.

1 km runter in die Stadt muß.

Im Gasthaus "Zum Eckebäcker" bestell ich die Balkanplatte, wie sich herausstellt ein sehr gute Wahl. Danach gehts zurück ins Hotel.  

 
Tag 10 (Donnerstag 15. Sept 11)

Ich komme schlecht aus dem Bett, meine Knochen tun weh und mir ist

schwummrig vor Augen. Ich brauch ewig bis ich in die Gänge komme. Erst nach dem frühstücken bin ich einigermaßen fit. Ich pack meinen Sack und lauf langsam los, den Berg runter. Heute will ich bis Fulda kommen.

Die Strecke ist anfangs sehr angenehm zu laufen. Schöne asphaltierte Radwege

ermöglichen mir einen Stundenschnitt von 5 km. Irgendwo, so 8 - 9 km vor Fulda ist der gute Weg zu Ende und ich muß über eine Wiese laufen, das ist gar nicht gut für meinen Knöchel, er rebelliert und ich werf die 5. oder 6. Tablette ein. Kurz vor Fulda wird mir schwummerig vor Augen ich komm mir vor wie besoffen. Ich ärgere mich das ich nicht viel von der schönen Gegend und der tollen Altstadt von Fulda mitbekomme.

Den erstbesten Biergarten nutze ich zum Verschnaufen und zum rumtelefonieren bezgl. Übernachtung. In der Pension "Holsten" direkt in der Altstadt vvon Fulda checke ich für 35,-€ ein.

Die Zimmer sind sensationell. Ein uraltes Haus zwar, mit krummen Wänden,

aber sehr phantasievoll eingerichtet. "Jedes Zimmer mit einem anderen Thema"

sagt mir der stolze Besitzer. Mein Zimmer ist afrikanisch eingerichtet, mit Bett-

pfosten aus dicken Bambusrohren die bis an die Decke reichen.

Ich "leck meine Wunden" und geh dann um die Ecke zu einem Italiener namens

San Remo. Der Salat ist spitzenmäßig ich schreib mir die Zutaten auf und überleg ob ich den nicht auch auf die Speisekarte vom "Salztrippler" mache.

Am Nebentisch krakelen 2 kettenrauchende und bis zum gehtnichtmehr aufge-

brezelte "Damen" rum. Ich weiß jetzt aus sicherer Quelle wo die geilsten Jungs

in Fulda abtanzen...Super!

Um 20 Uhr hab ich genug für heute und geh in mein Bambusbett.

Für morgen nehme ich mir vor Thüringen zu erreichen, mal gespannt ob man

noch was von den alten Grenzanlagen sieht

 
Tag 11 (Freitag 16. Sept 11)

Das Frühstück war einfach gut. Ich lauf mit Schmerzen los, aber oh Wunder sie

werden über Tag nicht stärker und am Abend ist der Fuß zumindest mal nicht

dicker geworden. Vielleicht hab ich ja Glück und es wird endlich besser.

Ich schlage am Ortsausgang Fulda die Nordöstliche Richtung ein mit Ziel

Hünfeld.

Es läuft richtig gut bis Hünfeld. Danach wird es schlagartig problematisch. Das

Navi hat keine Alternative zur Bundesstraße 84. Ich laufe also praktisch auf

dieser stark befahrenen Straße entlang bzw. im Straßengraben oder wenn es

einigermaßen eben ist, auf der Wiese oder dem Acker daneben.

Kurz vor der ehemaligen Zonengrenze spricht mich eine ältere Dame, die auf

einer Wiese neben der Straße arbeitet, an. "Hallo Wanderer, pass bloß auf, vor

einem halben Jahr haben sie hier meine Schwiegertochter überfahren, die Lkw´s

fahren hier rücksichtslos durch, seit die Straße ausgebaut wurde"!

"Ja, es ist schon ziemlich gefährlich, aber gibt es noch einen anderen Weg

Richtung Bad Salzungen"? frage ich.

"Nein, nur die Straße" sagt sie, und weiter: "Wo solls den hingehen"?

"Nach Berlin"! sage ich. "Um Gottes Willen, wozu das denn"?! ruft sie entsetzt,

"Das sind ja noch 400 km"!

"Ja, ich weiß, 360 km bin ich ja schon gelaufen" antworte ich. Sie will es nicht

glauben. "Warum machen sie das denn überhaupt"? will sie wissen. Mmmhhh..g

ute Frage, so spontan kann ich das ja selbst nicht beantworten :-)

Am ehemaligen Checkpoint Alpha überquere ich die imaginäre Grenze. In einem

Einkaufscenter am Ortsausgang trink ich gemütlich einen Kaffee und esse was

dann geht es weiter Richtung Bad Salzungen.

In einer Privatpension finde ich ,Unterkunft und Verpflegung.

Bis heute bin ich genau 384 km gelaufen, das entspricht einer durchschnittlichen

Tagesleistung von 34,9 km,

bis Berlin sind es noch 362 km!

Tag 12 (Samstag 17. Sept 11)

Heute hab ich die 400 km Hürde geknackt! Irgendwo im Wald zwischen Bad S

alzungen und Eisenach war es soweit, das bedeutet die Hälfte der Strecke nach

Berlin ist gelaufen.

Heute war sowieso ein guter Tag. Absolut geiles Wetter und absolut geile und

abwechslungsreiche Strecke. Ich lief auf dem sogenannten Lutherweg von Bad

Salzungen aus. Man hat kaum Straßenberührungen nur Wald-, Wiesen-und Feldwege.Sehr entspannend nach dem gestrigen Tag auf der Bundessstraße man muß "nur" laufen ohne nachzudenken einfach laufen, laufen, laufen....Viele Höhenmeter waren heute dabei ich mußte mehrfach das T-shirt wechseln. Die durchgeschwitzten Shirts hängte ich rund um meinen Rucksack zum Trocknen auf.

Das sah zwar Lumpensammlermäßig aus aber durch das schöne Wetter waren die Sachen bald wieder trocken.

Hier in der Ecke trifft man überall auf Martin Luther, Lutherbrunnen, Luther-

bäume, Lutherwege usw.

Das schönste heute war aber die Tatsache das mein lädierter Fuß Ruhe gab, die

Schmerzen waren fast ganz weg und wenn ich mich nicht täusche ist auch die

Schwellung zurückgegangen. Am liebsten würde ich losrennen so gut bin ich drauf.

Gegen 18 Uhr nach 44 km Tagesleistung! komme ich in Eisenach an. Eine be-

eindruckende Kulisse. Schöne, verschnörgelte Häuser, viele mit Backsteinfassaden.

Die Straßen sind in einem Top Zustand. Die Wanderwege z.B. der bekannte

Rennsteig, um Eisenach erste Sahne. Die Drachenschlucht und die Wartburg hab ich mir auch kurz angesehen, sehr interessant muß ich sagen. leider fehlt die Zeit um alles in Ruhe anzusehen.

Ich finde im Hotel "Am Backhaus" für 55,-€ ein. Die Zimmer sind nagelneu, sehr

sauber und mit allem PiPaPo. Im Restaurant bestell ich mir ein Rumpsteak

(200g) mit Bratkartoffeln und Salat für 12,50 €. Die Zwiebeln sind sehr feucht,

kaum gebraten und die Kartoffeln dick geschnitten und zart angebacken. Sehr

ungewohnt für meinen pfälzer Gaumen aber sehr lecker. Dazu trink ich ein

Tucher-Weizen auch sehr angenehm im Geschmack.

Zufrieden mit mir und der Welt leg ich mich ins Doppelbett und schlaf sofort ein.

Wenn ich gewusst hätte was morgen auf mich zukommt hätte ich wahrscheinlich kein Auge zu gemacht. Aber dazu später.

 
Tag 13 (Sonntag 18. Sept 11)

Jetzt wo ich das Datum schreibe, 13ter, wird mir einiges klar, das war der mit

Abstand beschissenste Tag der ganzen Tour. Heute war alles Dreck! Um meinem Ziel, Bad Langensalza, 25 km näherzukommen bin ich 36 km gelaufen und das ganze in 10 Stunden, Horror. Ich war in meinem Leben noch nie in so einer gottverlassenen Gegend wie hier. Kaum Dörfer und wenn gabs kein Geschäft und schon gar kein Wirtshaus nicht mal ne Tankstelle. Zwischen Eisenach und Bad Langensalza geht man scheinbar weder spazieren noch fährt man Rad. Ich hab den ganzen Tag noch nicht einen Menschen getroffen. Es gab weder Wanderwege noch Radwege, die ganze Strecke lief ich auf Landstraßen auf den kaum einer fährt. Aber alles super neu und klasse asphaltiert, ich frag mich nur für wen?

Frustriert komm ich bei Einbruch der Dunkelheit in Bad Langensalza an. Dann

der nächste Schock es gibt kein Hotel hier und keine Pension nur Privatzimmer

und da meldet sich niemand. Mein Handyakku und das Guthaben ist inzwischen

leertelefoniert und ich lauf kreuz und quer in dem Kaff rum und such eine

Möglichkeit mein Handy aufzuladen und ne neue Karte zu bekommen, alles Fehlanzeige.

Es ist schon gleich 20 Uhr und stockdunkel, was jetzt? Ich überleg

gerade wo ich mich schlafen legen kann, Schlafsack hab ich ja dabei., als ich an

einem Haus vorbeikomme wo "Zur Weinlaube" draufsteht. Hier hatte ich doch

angerufen? Aber es hatte sich niemand gemeldet.

Es macht auch einen geschlossenen Eindruck, nirgends brennt ein Licht. Vor

dem Gebäude seh ich ein Pärchen mit Fahrrädern die gerade ihre Rucksäcke

abziehen und ins Haus wollen. Ich sprech sie an und frag ob es hier Zimmer gibt.

Sie sagen man muß ums Haus herum durch ein Tor und da im Hinterhof wär die

Wirtsfrau die hätte gesagt das sie noch ein Zimmer hätte. Ich lauf wie be-

schrieben und finde die Dame. Nach einigem hin und her, sie muß erst ihren Mann anrufen und nach dem Preis fragen, bekomm ich für 51,-€ ein Zimmer unterm Dach, mir egal Hauptsache ein Bett Ich komm kaum noch die Treppe hoch. Im Zimmer laß ich meinen Rucksack fallen, zieh die Schuhe aus und leg mich so verschwitzt und verdreckt wie ich bin aufs Bett und schlaf sofort ein. Nachts um 1 Uhr werde ich wach, mein ganzer Körper brennt wie wenn ich überall Sonnenbrand hätte, was ist den jetzt los denk ich.

Ich geh duschen und trink ein Literflasche Wasser fast auf Ex aus. Dann wieder

ins Bett, ich frier erbärmlich und kurz drauf bekomm ich Schweißausbrüche. So

geht das bis 6 Uhr dann schlaf ich wieder ein.

 
Tag 14 (Montag 19. Sept 11)

Um 8 Uhr meldet sich mein Handywecker. Ich brauch gefühlte 30 Minuten um

aus dem Bett zu kommen. Ach du Scheiße ist mir übel... Beim Frühstück sitz ich

mit dem Pärchen zusammen, die ich gestern Abend schon getroffen habe, sie

kommen aus der Nähe von Heidelberg wenn ich das richtig verstanden habe.

Wir unterhalten uns gut und mir gehts bei jedem Kaffee besser. Die beiden fahren mit ihren Fahrrädern den sogenannten Unstrut-Radweg. Der Beschreibung nach müsste der Radweg ziemlich genau in die Richtung verlaufen die ich auch laufen muß. Nach dem Frühstück besorge ich mir im Touristikbüro eine Karte des besagten Weges und richtig, bis auf einen kleinen ca 5 km langen Bogen, verläuft er direkt an dem Fluß Unstrut entlang bis nach Artern, ca. 80 km von hier.

Das bedeutet also einen 2 Tagesmarsch. Ich nehm mir vor den Radweg zu laufen um mal von den Sraßen wegzukommen und nicht dauert navigieren zu müssen. Die Entscheidung erweist sich als goldrichtig.

Als ich endlich starte ist es schon 10 Uhr. Der Radweg ist nagelneu und stellen-

weise kerzengerade, so das man schon sieht wo man in einer Stunde laufen wird.

Ich komme an Riesenfeldern vorbei.

Plötzlich kommt von hinten ein älterer Radfahrer und begrüßt mich: "Na

Wandersmann wo solls den hingehen"?

"Nach Berlin"!  sag ich. "Da hast Du Dir aber was vorgenommen, Hut ab" sagt er.

Und dann erzählt er munter drauf los, immer langsam neben mir herfahrend.

Das er bei der Bahn gearbeitet hat und jetzt in Rente ist und das das Geld nicht

reicht also muß er noch im Netto arbeiten usw. usw. Nach einer halben Stunde

muß er abbiegen und ich lauf allein weiter.

In Heusfeld sind meine Wasservorräte erschöpft und ich such einen Laden.

Leider sind alle dicht so das ich einen Mann der gerade an seiner Hausfassade

rumpinselt frage wo es was zu trinken gibt. "Kommen sie, ich geb ihnen  eine

Flasche von mir, und hier sind noch 2 Riegel, viel Spaß noch" sagt er und grinst.

Am Ortsausgang finde ich aber dann doch noch einen Laden und füll meinen

Rucksack auf mit Brot, Goudakäse und 2 weiteren Flaschen Wasser und natürlich mit einer Bildzeitung.

Ein Stück weiter ausserhalb setz ich mich am Ufer der Unstrut hin und geniesse

mein Käsebrot und das  schöne Wetter. Übrigens meinem Fuß geht es heute

wirklich gut, die Schwellung ist fast ganz weg und ich hab erstmals seit Tagen

keine Tablette nehmen müssen.

In Sömmerda angekommen, 40 km von Bad Langensalza weg, genehmige ich mir erst mal einen Kaffee im "Künstlercafe" in der Altstadt. Die Bedienung, so eine leicht mollige Blonde mit viel Schminke empfielt mir den Thüringer Hof als Unterkunft und erzählt, nach unserem Gespräch an jedem Tisch rum das ich nach Berlin laufe.

Das ganze Cafe starrt mich an wie einen der sie nicht mehr alle hat. Ich komme mir eh wie ein Exot vor denn man sieht hier absolut keine Wanderer. Und mit meinen Nordic Walking Stöcken falle ich noch einmal mehr auf.

Der Thüringer Hof in Sömmerda erweist sich als das bisher beste Hotel meiner

Reise. Das Essen, ich genehmige mir eine Portion Sauerbraten, ist, genau wie die Zimmer, sehr gut. Der Service ist perfekt. Wer mal nach Sömmerda kommt sollte da unbedingt mal reinschauen.

Der Dialekt hier ist witzig und ich freue mich schon auf die Tour morgen nach

Artern.Danach geht es weiter nach Sachsen.

 
Tag 15 (Dienstag 20. Sept 11)

Soviel vorneweg: Geil! Zwar nicht unbedingt der beste Tag aber ein sehr guter!

Die Wanderung führte heute von Sömmerda nach Artern. Fast immer auf dem

Radweg an der Unstrut entlang. Wenn man sich überlegt das dieses kleine

Flüsschen vor Jahren hier zu einem Jahrhunderhochwasser geführt haben soll,

kann man es fast nicht glauben. Doch die Markierungen an Brücken usw. zeigen

wie hoch das Wasser damals war, unglaublich!

Heute bin ich 42 km gelaufen, insgesamt von Rumbach aus 527 km.

Die Leute hier sind sehr offen und freundlich, sie sagen genau wie wir zur

Begrüßung einfach  "Tach" und fangen oft ein Gespräch an.

Heute hat mich wieder ein Radfahrer ein Stück des Weges begleitet. Er erzählt

das er LKW Fahrer war und jetzt, zur Rente noch einen 400,-.€ Job macht, weil

es hinten und vorne nicht reicht. Seine Frau arbeitet 6 Std. als Verkäuferin und

er züchtet Tauben und Hühner. Mit seinen Kumpels macht er einmal im Jahr

Radurlaub, ich hab ihn gleich mal nach Rumbach eingeladen zum Urlaub machen.

Der Straßenbau hier ist abnormal. In jedem Kaff neue Straßen und Wege. Kein

Mensch zu sehen aber alles neu gebaut. Brücken, Dämme und Schnellstraßen

überall wird gebaut.

In Artern angekommen geh ich erst mal ins Ratscafe und bestell mir ne Apfel-

schorle und einen Cafe. Die Bedienung mit unüberhörbarem Berliner Dialekt ist

ganz aus dem Häuschen als ich ihr sage das ich in Berlin zum Udo Lindenberg

Musikal gehen will, sie selbst war mit ihrer Freundin vor kurzem da und ist

immer noch ganz begeistert, sie erzählt mir fast das ganze Musikal. Ihre

Empfehlung zum übernachten ist das Hotel "Zum Weinberg". Es liegt hoch

über Artern und hat eine herrliche Terrasse auf der ich in der Abendsonne meinen Wildgulasch und einen trocknen Rotwein geniesse.

Die Zimmer sind riesig und mit allem Komfort. Für 45,-€ kann man da nichts

sagen zumal ich schon für mehr Geld wesentlich schlechter genächtigt habe.

An der Rezeption frag ich nach einer Wanderkarte Richtung Berlin. Der

Rezeptionist schaut mich erstaunt an und sagt: "Da haben wir keine Karte, weil

das ist ja Richtung Sachsen"!

Als ob das eine andere Welt wäre, denke ich und lauf um 8 Uhr am Hotel los.

 
Tag 16 (Mittwoch 21. Sept 11)

Ein paar Kilometer hinter dem Hotel beginnt Sachsen-Anhalt. Nach Rheinland

Pfalz, Hessen, Bayern und Thüringen nun also das 5. Bundesland das ich

durchwandere. Es geht hauptsächlich über Feldwege und Nebenstraßen. Mein

Ziel für heute ist die Geburtsstadt von Martin Luther, die Lutherstadt Eisleben.

In der Gegend hier zu wandern ist nicht so prickelnd. Es ist eintöniges und an-

spruchsloses wandern. Die Verspannungen im Nacken (vom Rucksack) nehmen

von Tag zu Tag zu. Immer so ab Mittag fang ich an die Trageriehmen des Rucksacks hin und her zu schieben um eine Stelle auf der Schulter zu finden die nicht so schmerzt. Ansonsten merke ich in den Knöcheln, Knien und Hüften das meine Geburt schon ziemlich lange her ist :-)

Auch stelle ich fest das ich jeden Tag etwas mehr Zeit brauche um die gleichen

Kilometer zu laufen. Es wird Zeit das ich bald nach Berlin komme....

In Eisleben laufe ich den Wegweisern nach die zum Geburtshaus des Martin

Luther führen, wenn ich schon mal da bin will ich mir das auch ansehen. Nach

meiner kleinen Besichtigung des Hauses (nicht besonders spektakulär) halte ich

Ausschau nach einem Hotel und finde nur 50 m entfernt das Hotel "Alter Simpel".

Ein junger Mann mit noch etwas verschlafenen Augen öffnet nachdem ich ge-

klingelt habe und zeigt mir das Zimmer. Das Zimmer ist sehr geräumig, sauber

und modern eingerichtet und das Beste, es kostet nur 35,-€ inkl. Frühstück. Das

Hotel liegt in einer Nebenstraße und ist daher sehr ruhig.

Nach dem Duschen und umziehen lauf ich noch eine Weile in Eisleben rum und

genehmige mir auf dem Marktplatz einen Waldfruchtbecher und einen Cafe.

Dann gehts ins Rossmann ein paar Toilettenartikel kaufen und dann ins Hotel. In der Ratsstube bestell ich mir Schweinebraten und ein Weisbier. "MEIN LIEBER ALTER!! Was sich manche trauen auf den Tisch zu stellen:

Der Schweinebraten ist "unterste Schublade"! Wenig, teuer und schmeckt

wirklich nicht. Ich laß die Hälfte stehen und trink lieber noch 2 Wiesnbier

dann ist auch gut.

 

Tag 17 (Donnerstag 22. Sept 11)

 Ich werde heute zeitig wach. Bevor um 7 Uhr mein Wecker klingelt bin ich fit

und geh zum Frühstück. Eine ältere Dame hat unten im Gastraum alles gerichtet.

Herrlich, frische Brötchen und Wurst und Käse in großer Auswahl. Ich hau heute richtig rein, als ob ich geahnt hätte was noch auf mich zukommt.

Kurz vor 8 Uhr starte ich in Eisleben mit Ziel Köthen. Es läuft ziemlich gut,

obwohl es wieder über Feldwege und Wiesen geht. Der Himmel ist heute grau

und es sieht nach Regen aus. Am Nachmittag fängt es dann tatsächlich an zu

tröpfeln und kurz darauf regnet es Bindfäden. Ich stelle mich unter einen Hochsitz direkt neben dem Weg und pack meine Regenklamotten aus und zieh sie über.

Es ist schon 17 Uhr durch und ich steh jetzt schon über eine Stunde hier und es

regnet eher stärker als schwächer.

Mmmh...was nun? Auf meinem Navi sehe ich das es bis Köthen noch bestimmt

14 km sind und der nächste Ort ist 7 km entfernt, sieht aber auf dem Navi sehr

klein aus. Also was jetzt? Weiterlaufen klatschnass werden und dann in dem

kleinen Ort vielleicht keine Übernachtungsmöglichkeit finden oder hierbleiben?

Ich inspiziere erst mal den Hochsitz. Er ist recht stabil und bis auf eine Schieß-

scharte an der Vorderseite, also Richtung Weg, rundherum geschlossen. Es liegt so eine Auflage wie man sie auf Liegenstühlen hat auf der Holzbank. Ich packe meinen Schlafsack aus und schlüpfe hinein. Inzwischen ist es dunkel und es regnet wie aus Kübeln. Wind kommt auf und bläst durch die Holzritzen. Super! denke ich, jetzt bist Du fast am Ziel und jetzt die Kacke hier.

Was knurrt denn  da so??? Ah, es ist mein Magen, ich hab seit dem Frühstück,

ausser 2 Cornyriegeln, nichts gegessen. Also hänge ich meine Taschenlampe an

der Decke des Hochsitzes auf und hol mir aus dem Rucksack Brot und Goudakäse und eine kleine Flasche Apfelsaftschorle.

Irgendwie gemütlich denk ich und versuch zu schlafen, aber es gelingt mir nicht

so richtig. Ich werde dauernd wieder wach weil ich irgendwas höre oder weil mir irgendwelche absurden Gedanken durch den Kopf schießen. "Können Wild-

schweine eigentlich eine Leiter raufklettern" ? frag ich mich zum Beispiel.

Auf jeden Fall bin ich froh als es langsam hell wird und der Regen nachläßt.

Gegen 7 Uhr klettere ich von meinem Nachtlager herunter und mach erst mal

ein paar Übungen um die steifen Knochen startklar zu machen.

Im loslaufen dreh ich mich noch mal zum Hochsitz um und denke: "Na,

wenigstens rund 40,-€ gespart :-)

 
Tag 18 (Freitag 23. Sept 11)

Mein Tagesziel für heute ist die Lutherstadt Wittenberg. Das bedeutet wenn

alles gut geht und ich mich nicht groß verhaue hab ich 43 km vor mir.

Radwege sind hier in der Gegend Fehlanzeige. Den ganzen Tag laufe ich nur auf Landstraßen rum und da es durch die Autos die an mir vorbeirauschen ziemlich eng ist, kann ich meine Nordic Walking Stöcke kaum einsetzen.        Das merke ich am Nachmittag dann schlagartig, als so gegen 15 Uhr eine Schwächephase kommt und die Verspannungen im Nacken schier unerträglich werden.

Was witziges hab ich an der Saale erlebt als ich Nähe Rothenburg an der Saale

auf die Autofähre wartete um überzuwechseln. Die Fähre kommt am Ufer an

und ich lauf vor zum Fährmann um zu fragen wann er wieder rüberfährt. So ein

bärtiger Typ mit Berliner Slang kommt heraus und sagt "Wann sie wollen" und

ich: "Wie? Sie fahren nur wegen mir über den Fluß"? Und er: "Klar, aber wenn

sie wollen können wir auch noch warten ob jemand kommt, aber ich seh schwarz" und grinst. "Na dann, auf gehts" sag ich und will wissen was die Überfahrt kostet,

"60 Cent" sagt er. Ich wundere mich über den niedrigen Preis aber wenn er es

sagt, mir solls recht sein.

In Wittenberg komme ich an als es schon dunkel wird, ich finde zum Glück auf

Anhieb eine Unterkunft, Hotel Central Nähe Stadtmitte. Die Zimmer sind sehr

spartanisch eingerichtet und das Bad hat seinen Namen eigentlich nicht verdient.

Eine Badtür gibt es nicht und als ich auf die Toilette muß weiß ich auch warum.

Das Bad ist so klein, wenn man auf dem Klo sitzt ragen die Knie ins Zimmer, so

das man die Tür eh nicht zumachen könnte. Also hat man einfach einen Vorhang hingehängt; der ist flexibel :-) Allerdings kostet das Zimmer inkl. Frühstück auch nur 30 ,-€ pro Nacht.

Als ich später unten im Restaurant sitze glaube ich erst nicht was auf der

Angebotstafel steht: PFÄLZER SAUMAGEN...und das mitten in Sachsen Anhalt! Die Wirtin erklärt mir, das sie schon öfter mal in der Pfalz war und das ihre Bekannten dort ihr ab und zu Saumagen schickt.

Ich entschließ mich aber nicht ihn zu testen sondern bestelle ein Rahmschnitzel

mit Bratkartoffeln und Salat, sehr lecker muß ich sagen.

 

Tag 19 (Samstag 24. Sept 11)

Das Frühstück war erste Sahne es gibt sogar noch einen Apfel zum Mitnehmen.

Ich laß mir noch meine Wasserflaschen auffüllen und starte um kurz nach 8 Uhr

in Wittenberg. Ich laufe in Richtung Nordosten aus der Stadt. Ab und zu sieht

man noch wie es früher hier ausgesehen haben muß. Die alten Straßen die nicht

mehr benutzt werden (ausser von mir jetzt) oder die alten Häuser am Ortsaus-

gang, aber auch verlassene Bauerhöfe lassen einen erahnen wie es vor der Wende hier aussah.

Jetzt ist alles toll gemacht und man sieht überall Windkraftparks mit unzähligen Windrädern und riesige Felder die von richtigen Monstermaschinen bearbeitet werden.

Ich laufe fast den ganzen Tag an der B2 entlang, auf einem perfekten Radweg.

Verlaufen ist hier nicht möglich denn es gibt nur den. Ich laufe wie in Trance

immer den Blick 4, 5 Meter vor mir auf den Weg gerichtet und leise vor mich

hinsummend. So mache ich km um km....

Gegen 17 Uhr komme ich in Treuenpriezen an. Am Ortseingang frag ich an der

Tanke nach einem Hotel, "Gibts hier nicht und die letzte Pension hat zugemacht

und macht jetzt betreutes wohnen" sagt die Kassiererin. "Na schlafen kann ich

bis jetzt noch ohne Betreuung" sag ich und will gerade gehen, als eine sonderbare Gestalt ins Tankhaus kommt. Cowboyhut auf, bodenlanger Staubmantel alles in beige, Cowboystiefel und ein weißes Halstuch sowie eine riesige Sonnenbrille auf.

Draussen seh ich einen Rolls Roys stehen. Der Cowboy bezahlt und rauscht

davon. Als ich die Kassiererin fragend anstarre meint sie in glasklarem Berliner

Dialekt: "Den kenn ick, det is ne jespaltene Persönlichkeit, manchmal kommt er

in Arbeetsklamotten und manchmal halt so wie jerade eben".

Als ich gehen will ruft mir die Dame noch hinterher ich soll doch mal in der Eis-

diele unten im Ort, gegenüber Nettomarkt fragen, kann sein das die noch eine

Ferienwohnung haben. Gesagt getan und Glück gehabt, die Wohnung gibt es

wirklich und für 25,-€ bekomme ich eine riesige nagelneue Ferienwohnung.

Ich esse in einem Restaurant, so 400 m von der Wohnung weg, ein Schweine-

rückensteak mit Kartoffeln und Salat und studier mein Navi. Bis Berlin sind es

keine 100 km mehr :-)

 
Tag 20 (Sonntag 25. Sept 11)

SUPER geschlafen! Zum Frühstück muß ich allerdings aus dem Haus zum Netto-Markt gegenüber. Ich frühstücke 2 Kaffee und 2 Apfeltaschen dann versorg ich mich noch mit 4 liter Wasser und einer Hand voll Cornyriegeln dann gehts los.

Von Treuenprietzen aus führt mein Weg immer an der B2 entlang auf einem

schönen breiten und ebenen Radweg Richtung Potsdam. Ich befinde mich

mittlerweile in Brandenburg auf einer Höhe von 50 Meter über NN.

Bis Potsdam sind es 43 km, die will ich heute unbedingt schaffen, sonst wird mir

die Strecke morgen nach Berlin zu lang. Insgesamt sind es noch 87 km bis zum

Ziel. Es kommt mir vor wie wenn mich jemand von hinten schiebt. Ich lauf in

einem schon brutalen Tempo und muß mich zwingen gegen Mittag eine Pause

einzulegen. 15 Min. gönn ich mir am Straßenrand auf einem Baumstumpf dann

ziehts mich weiter. Eine herrliche Strecke, links und rechts der Straße stehen

riesige Bäume und auf den angrenzenden Wiesen sieht man grasende Pferde und Rinder.

Noch 10 km bis Potsdam...am liebsten würde ich losrennen so gut bin ich drauf.

Um 17.30 Uhr laufe ich in Potsdam ein, eine andere Welt! Riesenhäuser aus ver-

gangener Zeit, Hochhäuser, alle namhaften Hotels sind hier. Ich überquer die

Havel und seh Ausflugsdampfer voll mit Menschen es ist ja auch herrliches

Sommerwetter. Es wuselt überall vor Menschen und Autos.

Nach etlichen Absagen, meistens weil sie ausgebucht sind, finde ich im Hotel

Froschkasten ein Zimmer. Um ins Bad zu kommen muß man auf dieser Etage

über den Flur. Das heißt jedes Zimmer hat zwar sein eigenes Bad, aber es liegt

halt auf der anderen Seite des Flurs.

Unten im Restaurant unterhalte ich mich ne ganze Weile mit dem Wirt und hol

mir für Berlin ein paar Hotelempfehlungen. Das Essen ist sehr gut nur an dieses

Schöffenhofer Weizen kann ich mich nicht gewöhnen.

Ich bin tod müde mach aber in dieser Nacht kein Auge zu.

 

Tag 21 (Montag 25. Sept 11)

Um 6.30 Uhr steh ich auf und pack zum letzten Mal bei dieser Tour meinen

Rucksack, ein komisches Gefühl beschleicht mich. Ich schau auf mein Navi und

lese: 680 km seit Rumbach gelaufen, bis zum Ziel noch 44 km.

Auf meinem Handy sind 13 Nachrichten mit Glückwünschen, die gehen davon

aus das ich gestern schon in Berlin angekommen bin, aber ganz geschafft ist es ja noch nicht. Heute ist der 21.Tag der Reise also ein Tag mehr als anfangs geplant .

Die Knöchelgeschichte hat mich praktisch einen ganzen Tag gekostet aber was

solls denk ich, Hauptsache überhaupt so weit gekommen.

Die Strecke ist haargenau wie gestern, auf dem Radweg an der B2 entlang,

Felder und Weiden wechseln sich ab bis die ersten Schrebergartenkolonien

beginnen. Um 13.55 Uhr erreiche ich das erste Schild auf dem steht: BERLIN

Bundeshauptstadt, allerdings sind es bis zum Brandenburger Tor noch 13 km.

Im ersten Biergarten auf Berliner Gebiet kehr ich ein und esse erst mal einen

Thunfischsalat. Dann mach ich mich wieder auf den Weg, aber dann zieht es sich wie Kaugummi durch die Stadt. Ich bekomme keine km zusammen weil ich vor lauter Ampeln und Straßenüberquerungen nicht richtig ins laufen komme. Erst um 17.30 Uhr bin ich am Kurfürstendamm.

Bei der Hotelsuche hab ich verdammtes Glück, gleich der erste Anruf ist

erfolgreich. Im Hotel Seiffert bekomm ich für 55,-€ ein top Zimmer. Das Haus

ist zwar uralt und die Holztreppen quietschen bei jedem Schritt aber es liegt nur

200 m vom Kudamm weg und zum KaDeWe sind es nur 500 m. Ausserdem be-

findet sich in unmittelbarer Nähe eine große Auswahl an Restaurants und Cafes.

Nachdem ich mein Sachen auf das Zimmer gebracht habe und mich geduscht und umgezogen habe, mach ich mich erst mal auf,  um die nähere Umgebung zu erkunden.

Im Biersalon, einem urigen Lokal mit großer Terrasse, direkt am Kurfürsten-

damm gelegen, esse ich zu Abend und geniesse erst mal die Berliner Luft, Luft,

Luft...

Ich hab jetzt 3 Tage Zeit mir die Stadt anzuschauen und zum krönenden Ab-

schluß am Donnerstag Abend gibts dann ja den Besuch im Potsdamer Theater zu Udo Lindenbergs Musikal "Hinterm Horizont". Als alter Lindenberg Fan bin ich schon ganz gespannt wie es wohl werden wird.

Heute kommt auch Martin Wolf aus Rumbach angefahren um mit mir in den n

ächsten Tagen die Stadt unsicher zu machen. Mit Ihm werde ich dann auch die

Reise zurück in die Pfalz antreten, allerdings per Auto nicht per Fuß :-)

Ein erstes Fazit:

Eine unbezahlbare Erfahrung was die eigene körperliche und psychische Belast-

barkeit angeht. Aber ich glaube nicht, das ich mir so etwas noch mal antun werde. ;-)

 
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© Manfred Albrecht